Dein Broker will, dass du selbst festlegst, wie viel du höchstens zahlst. Ohne Limit kaufst du “zu jedem Preis”, und der kann deutlich über dem Kurs liegen, den du auf dem Bildschirm siehst. Die Meldung ist also kein Fehler und kein Grund, den Kauf abzubrechen. Du trägst einfach einen Preis ein, den du maximal für das Wertpapier bezahlen willst.
Diese Frage habe ich in einer Woche gleich zweimal gehört: “Karina, warum will mein Broker, dass ich ein Limit eingebe?” Die Antwort führt uns hinter die Kulissen des Börsenhandels, und ich zeige dir an einem Beispiel aus der Praxis, vor welchem Fehler dich das Limit schützen kann.
Das erfährst du in diesem Beitrag:
Warum der angezeigte Kurs nicht dein Kaufpreis ist
Stell dir vor, du möchtest einen ETF kaufen. Der Broker zeigt dir an, der ETF-Anteil würde 99,99 Euro kosten. Kaufst du den ETF-Anteil also für 99,99 Euro?
Ich falle gleich mit der Überraschung ins Haus: Die Antwort ist Nein.
Denn die 99,99 Euro sind nur der letzte Preis, zu dem sich Käufer und Verkäufer einig waren. Der ETF-Anteil hat also eben zu 99,99 Euro den Besitzer gewechselt. Das heißt aber noch lange nicht, dass du auch diesen Preis zahlen wirst!
So funktioniert das Orderbuch: dein Kauf ist ein Treffen mit einem Verkäufer
An der Börse wird für jedes Wertpapier ein Orderbuch geführt. Das ist wie auf dem Basar, wenn Käufer und Verkäufer über den Preis feilschen.
- Der Käufer sagt: Ich will dieses Wertpapier kaufen, und ich bin bereit, dafür diesen Preis auszugeben.
- Der Verkäufer sagt: Ich will dieses Wertpapier verkaufen, aber ich will jenen Preis dafür bekommen.
>> Wer wissen will, wie eine Börse im Hintergrund funktioniert, vom Wochenmarkt-Prinzip bis zum Tresor bei Clearstream, findet in meinem Beitrag Die Börse erklärt die ganze Geschichte.
Selbstverständlich müssen Käuferangebot und Verkäuferwille nicht zusammenpassen, wie diese Tabelle zeigt.
| Käufer | Stück | Verkäufer | Stück |
|---|---|---|---|
| 99,98 Euro | 500 | 100,01 Euro | 300 |
| 99,97 Euro | 800 | 100,02 Euro | 500 |
| 99,96 Euro | 600 | 100,03 Euro | 700 |
Ein Geschäft entsteht erst, wenn Käufer und Verkäufer bei einem Preis zusammenfinden. Das ist in diesem Beispiel nicht der Fall. Es findet also kein Handel statt, das Orderbuch bleibt so stehen, und wartet auf weitere Käufer oder Verkäufer. Währenddessen zeigt der Broker dir immer noch 99,99 Euro an.
Jetzt kommt dein Kaufwunsch dazu. Du gibst deine Order ohne Zusätze beim Broker („Market Order“) auf, du sagst ihm also: Ich will das Wertpapier kaufen, jetzt sofort, egal zu welchem Preis. Das Orderbuch ändert sich also wie folgt:
| Käufer | Stück | Verkäufer | Stück |
|---|---|---|---|
| das bist du (Markt Order) | 100 | 100,01 Euro | 300 |
| 99,98 Euro | 500 | 100,02 Euro | 500 |
| 99,97 Euro | 800 | 100,03 Euro | 700 |
| 99,96 Euro | 600 |
Indem du keine Vorgaben gemacht hast, zu welchem Preis du das Wertpapier maximal bereit bist zu kaufen, trifft deine Order direkt auf den günstigsten Verkäufer. Nun wird die Order ausgeführt, du kaufst 100 Stück von diesem Wertpapier zu 100,01 Euro, und der Broker zeigt nun den neuen Preis 100,01 Euro an.
Was ist eine Market Order?
Die Market Order ist die einfachste Art, bei deinem Broker zu handeln. Damit sagst du deinem Broker: Kaufe sofort. Kaufe zu jedem Preis, den der Markt gerade verlangt. Wärest du auf dem Basar, würdest du also gar nicht handeln, sondern direkt zum erstbesten Angebot greifen.
Im Orderbuch ist das so, als würdest du dich direkt vor den günstigsten Verkäufer stellen und sagen: Ich nehme, was du hast. Du bekommst die sofortige Ausführung deiner Kauforder, gibst dafür aber die Kontrolle über den Preis ab.
Bei einem viel gehandelten ETF oder der Aktie eines großen Unternehmens ist das meist harmlos. Du zahlst ein paar Cent mehr, als dir der Broker angezeigt hat. Es gibt aber Fälle, in denen das richtig teuer wird.
Mein spannendster Moment auf dem Börsenparkett
Bei meinem Besuch auf dem Parkett der Börse Wien war der spannendste Moment ausgerechnet ein Kaufauftrag. Jemand wollte eine illiquide Aktie kaufen, also eine, die nur selten und in geringen Stückzahlen gehandelt wird: die Austriacard Holdings AG. Der Käufer hatte eine Market Order aufgegeben.
Der letzte Preis, zu dem die Aktie gehandelt worden war und der dem Käufer angezeigt wurde, lag bei 9,80 Euro. Das Orderbuch sah aber so aus:
| Käufer | Stück | Verkäufer | Stück |
|---|---|---|---|
| Market Order | 4 | 19,60 Euro | 20 |
Es gab also nur einen Verkäufer, der überhaupt bereit war, diese Aktie zu verkaufen. Der aber wollte 19,60 Euro dafür haben. Warum er ausgerechnet diesen Verkaufspreis angegeben hatte? Nun, das weiß ich natürlich nicht. Aber meine Vermutung ist, dass er genau auf so einen nichtsahnenden Käufer gehofft hat. Denn was ist nun passiert?
Der Käufer hat 4 Stück zu 19,60 Euro gekauft. Das Doppelte des angezeigten letzten Preises!

Das ist das Risiko der Market Order: Je dünner das Orderbuch, desto größer die Lücke zwischen dem Kurs, den du siehst, und dem Preis, den du zahlst.
Die Market Order ist also nicht geeignet für Wertpapiere, die nur selten oder nur in geringen Stückzahlen gehandelt werden, also „illiquide“ sind.
Eine Limit Order verhindert genau das, und darum geht es im nächsten Kapitel.
Was ist eine Limit Order?
Mit einer Limit Order sagst du deinem Broker nicht mehr “sofort, zu jedem Preis”, sondern: Ich kaufe, aber keinen Cent teurer als mein Limit. Als Kunde legst du vorher fest: Mehr als 10,00 Euro für die Austriacard Holdings zahle ich nicht, egal was passiert.
Klingt gut, oder? Aber bedenke dabei, dass deine Kauforder nun nicht mehr sofort, vielleicht sogar nie ausgeführt wird. Denn es muss eben ein Verkäufer bereit sein, zu deinem Wunschpreis zu verkaufen.
Wie setze ich eine Limit Order?
Während du eine Market Order daran erkennst, dass eben kein Preis abgefragt wird, tut eine Limit Order genau das: sie fragt dich, zu welchem Preis du bereit bist zu kaufen. In den folgenden Screenshots zeige ich dir, wie es im Broker bei Trade Republic aussieht. Du erreichst die erste Ansicht, indem du dein gewünschtes Wertpapier suchst, auf „Kaufen“ klickst, und dann unten links hinter „Market“ (das ist der Default, die oben beschriebene Market Order) ein Drop-Down-Menü findest. Bei anderen Brokern kannst du die Limit-Order und andere Ordertypen unter „Orderdetails“ angeben.
>> Du hast noch kein Depot? Dann zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du dein Depot eröffnest.



Was hätte eine Limit-Order im Beispiel mit Austriacard Holdings bewirkt?
Der Käufer wollte 4 Stück der Austriacard-Aktie. Der Bildschirm zeigte 9,80 Euro, das wären zusammen 39,20 Euro gewesen. Gezahlt hat er 4 mal 19,60 Euro, also 78,40 Euro.
Mit einer Limit Order bei 10 Euro hätte das Orderbuch so ausgesehen:
| Käufer | Stück | Verkäufer | Stück |
|---|---|---|---|
| 10,00 Euro | 4 | 19,60 Euro | 20 |
10 Euro und 19,60 Euro passen nicht zusammen, also hätte es kein Geschäft gegeben. Die Order wäre im Orderbuch stehen geblieben, und der Käufer hätte keinen Cent mehr als 40 Euro ausgegeben. Vielleicht hätte sich später ein günstigerer Verkäufer gefunden, vielleicht auch nicht. Aber der Käufer hätte selbst entschieden, was er zahlt, und nicht der einzige Verkäufer im Markt.
Mit einer Limit Order nennst du den Preis, den du zu zahlen bereit bist. Das Risiko: Mit einem Limit kann es passieren, dass dein Kauf nicht zustande kommt.
Warum will mein Broker, dass ich ein Limit eingebe?
Dein Broker fragt nach einem Limit, damit du dich selbst vor zu hohen Preisen beim Wertpapierkauf schützt.
Denn der Kurs auf deinem Bildschirm ist nur der letzte Preis, zu dem sich Käufer und Verkäufer einig waren. Ob du zu diesem Preis kaufst, entscheidet das Orderbuch: Dort steht, wer zu welchem Preis verkaufen will, und ein Geschäft entsteht erst, wenn Käufer und Verkäufer zusammenfinden.
Besonders wichtig ist das, wenn ein Wertpapier nur selten oder in kleinen Stückzahlen gehandelt wird, also illiquide ist. Dann stehen im Orderbuch oft nur wenige Verkäufer, und zwischen dem angezeigten Kurs und dem Preis, den du tatsächlich zahlst, kann eine große Lücke klaffen.
Das betrifft nicht nur exotische Aktien. Auch bei neueren ETFs kann das Orderbuch dünner sein, vor allem zu bestimmten Handelszeiten oder an bestimmten Handelsplätzen.

Wie funktioniert die Limit Order beim Verkaufen?
Beim Verkaufen kehrt sich das Prinzip um: Dein Limit ist nicht mehr dein Höchstpreis, sondern dein Mindestpreis. Du sagst deinem Broker: Ich verkaufe, aber nicht für weniger als mein Limit.
Im Orderbuch reiht sich dann deine Order auf der Verkäuferseite ein. Gibt es einen Käufer, der mindestens deinen Preis zahlt, kommt das Geschäft zustande. Bietet der Käufer sogar mehr als dein Limit, bekommst du auch mehr, denn dein Limit ist die Untergrenze und nicht der Preis, den du bekommst. Gibt es keinen Käufer zu deinem Preis, wartet deine Order im Orderbuch.
Das Risiko ist dasselbe wie beim Kaufen: Dein Verkauf kommt vielleicht erst später oder gar nicht zustande. Dafür verkaufst du nie für weniger, als du selbst festgelegt hast. Besonders wichtig ist das bei Wertpapieren, die nur selten gehandelt werden. Dort gibt es oft nur wenige Käufer, und ein Limit schützt dich davor, deine Aktie zu einem Spottpreis herzugeben.
Limit Order oder Market Order: Was nehme ich wann?
Nimm ein Limit, wenn:
- das Wertpapier selten gehandelt wird, zum Beispiel Nebenwerte oder Aktien aus dem Ausland,
- du einen neuen oder kleinen ETF kaufst, bei dem Käufer und Verkäufer weiter auseinanderliegen können,
- du eine größere Summe investierst,
- wenn du außerhalb der Haupthandelszeiten handelst
Eine Market Order reicht meist, wenn:
- du einen großen, viel gehandelten ETF oder die Aktie eines großen Unternehmens kaufst,
- du während der normalen Handelszeit kaufst,
- dir ein paar Cent Unterschied egal sind und du sofort ausgeführt werden willst.
Im Zweifel gilt: Wenn dein Broker dich nach einem Limit fragt, nimm dir die 30 Sekunden und trag eines ein.
Und wenn ich mich vor Verlusten beim Verkauf schützen will? Die Stop Order.
Neben Market Order und Limit Order gibt es noch eine dritte Orderart, die dich beim Verkaufen schützen soll: die Stop Order. Sie funktioniert ganz anders als das Limit, wie ich dir in einem weiteren Beitrag erklären werde. Bis dahin hier aber meine Lieblings-Eselsbrücke, damit du bei all den Limits und Stops beim Kauf und Verkauf nicht durcheinander kommst:
- Limit ist immer gut für mich: Beim Kaufen zahle ich weniger, beim Verkaufen bekomme ich mehr.
- Stop ist immer schlecht für mich: Er löst erst aus, wenn es für mich schon ungemütlich wird.
| Beim Kaufen | Beim Verkaufen | |
|---|---|---|
| Limit | Du zahlst höchstens deinen Preis, also billiger | Du bekommst mindestens deinen Preis, also teurer |
| Stop | Du kaufst erst, wenn der Kurs auf deine Marke gestiegen ist, also teurer | Du verkaufst, wenn der Kurs auf deine Marke gefallen ist, also billiger |
Wann dich der Stop schützt und mit welchem Fehler er dich im falschen Moment aus einer Aktie rauswerfen kann, erzähle ich dir im nächsten Beitrag, inklusive meiner eigenen Erfahrung mit der TUI-Aktie und dem Trailing Stop.
Warum will mein Broker, dass ich ein Limit eingebe?
Dein Broker fragt nach einem Limit, damit du dich selbst vor zu hohen Preisen beim Wertpapierkauf schützt. Der Kurs auf deinem Bildschirm ist nur der letzte Preis, zu dem Käufer und Verkäufer sich einig waren. Ohne Limit kaufst du zu dem Preis, den der günstigste Verkäufer im Orderbuch gerade verlangt, und der kann deutlich höher liegen. Mit einem Limit legst du fest, wie viel du höchstens zahlst.
Warum zeigt mir mein Broker einen anderen Preis an, als ich am Ende zahle?
Der angezeigte Kurs ist nur der letzte Preis, zu dem Käufer und Verkäufer sich einig waren. Wenn du kaufst, bezahlst du den Preis, den der günstigste Verkäufer im Orderbuch gerade verlangt.
Muss ich ein Limit setzen?
Nein, es ist keine Pflicht. Es ist aber sinnvoll, wenn du selbst entscheiden willst, wie viel du höchstens zahlst, besonders bei Wertpapieren, die nur selten gehandelt werden.
Was passiert, wenn mein Limit nicht erreicht wird?
Dann wird deine Order nicht ausgeführt, und du hast nichts gekauft, aber auch nicht zu viel bezahlt. Du kannst abwarten oder dein Limit anpassen.
Ist eine Market Order gefährlich?
Bei viel gehandelten („liquiden“) Wertpapieren meist nicht, da zahlst du oft nur ein paar Cent mehr. Bei selten gehandelten Wertpapieren kann sie sehr teuer werden.


