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ETF-Sparplan im Sommer pausieren? Ich falle nicht auf den Mythos rein

ETF-Sparplan im Sommer pausieren? Ich falle nicht auf den Mythos rein

Es ist herrlich! Nach den ersten sonnigen und warmen Tagen in diesem Jahr stellt sich endlich ein Sommergefühl bei mir ein. Während ich wie jedes Jahr, noch frierend, die ersten ungelenken Bahnen gleich am Eröffnungstag durch mein Freibad zog und dabei wie immer über das Investieren nachdachte, kam mir eine alte Börsenweisheit in den Sinn: Sell in May and go away.

Auf gut Deutsch: Aktien-Investments oder ETF-Sparplan im Sommer pausieren, das Geld sicher parken und im Herbst entspannt wieder einsteigen. Denn historisch, so sagt die Börsenweisheit, ist mit den Kursen im Sommer kein Blumentopf zu gewinnen, wenn sie nicht sogar fallen. Da wäre es doch besser, das Geld über den Sommer zu sichern und wieder einzusteigen, wenn die Kurse anziehen. Klingt verlockend, oder? Bequem, scheinbar clever, seit Jahrzehnten im Umlauf.

Woher kommt die Idee, den ETF-Sparplan im Sommer zu pausieren?

Börsenweisheiten gibt es viele. Die meisten wurden von Börsenlegenden geprägt, verwenden bildhafte Sprache oder Reime und klingen auf Anhieb einleuchtend. Sell in May and go away ist eine von ihnen. Angeblich wurde sie im Jahr 1935 zum ersten Mal in einem Artikel der New York Times schriftlich festgehalten, mündlich kursierte sie aber schon lange davor.

Die Grundidee: Das Investment, damals Aktien, heute den ETF-Sparplan im Sommer pausieren, Kapital sicher parken und im Herbst wieder einsteigen. Begründet wird das mit der historischen Beobachtung, dass die Börsenrenditen zwischen Mai und Oktober im Durchschnitt schwächer ausfielen als in den Wintermonaten von November bis April. Hinter der Regel steckt vor allem eines: Psychologie.

Früher ohne Smartphone, heute ohne Ausrede

In früheren Zeiten konnten Fondsmanager die Kurse nicht vom Strandkorb aus prüfen und nicht in Echtzeit auf Kursänderungen reagieren, wie wir das heute mit dem Smartphone tun. Das Handelsvolumen sank im Sommer schlicht, weil die relevanten Akteure nicht da waren. Und Börsenkurse reagieren auf Nachrichten, auf Gerüchte, auf das Verhalten von Menschenmassen. Wenn Firmenlenker, Fondsmanager und Finanzjournalisten gleichzeitig in den Urlaub fahren, wird es an den Börsen ruhiger. Manchmal auch schwächer.

Die Börsenmeute reagiert auf Nachrichten, Gerüchte, das Verhalten von Menschenmassen.

„Sell in May“ hat einen zweiten Teil

Sell in May and go away lässt dich etwas ratlos über das weitere Vorgehen zurück. Was passiert danach? Die Antwort steckt im zweiten, seltener genannten Teil der Regel: …but remember to come back in September. Im September kehrt der Börsenzirkus zurück aufs Parkett, die Handelsvolumina steigen, das Weihnachtsgeschäft wirft seine ersten Schatten voraus. Ab dann, so die Überzeugung, lohnt es sich wieder, voll investiert zu sein.

https://youtu.be/DgDIaFuI-NY

ETF-Sparplan im Sommer pausieren: Was wirklich hinter der Sommerschwäche steckt

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Beobachtung nicht. Es stimmt, dass bestimmte Sommermonate historisch im Schnitt schwächer abgeschnitten haben als die Wintermonate. Der September gilt dabei als der berüchtigtste aller Börsenmonate. Wer also seinen ETF-Sparplan im Sommer pausiert, konnte in manchen Jahren tatsächlich Verluste vermeiden.

Aber, und das ist der entscheidende Punkt: der Durchschnitt lügt.

Gute Jahre gegen schlechte Jahre

Ob die Sommermonate wirklich schwach sind, hängt weniger vom Kalender ab als vom übergeordneten Markttrend. Es hat sich dieses Muster gezeigt: In schwachen Börsenjahren, also Jahren, in denen der Markt bis Ende April bereits Verluste verbucht hat, ist der Zeitraum Mai bis September tatsächlich oft negativ. In starken Jahren dagegen fällt auch die Sommerhälfte im Schnitt positiv aus.

Du weißt am 1. Mai, wie April gelaufen ist. Aber selbst dann ist es kein verlässliches System. Denn verschiedene Märkte senden oft unterschiedliche Signale. Wer in einen globalen ETF investiert, schaut eher auf den S&P 500. Wer den DAX im Depot hat, bekommt womöglich ein anderes Bild. Welchem Signal folgst du dann? Und was passiert, wenn du falsch liegst und der Sommer trotzdem stark wird, während dein ETF-Sparplan im Sommer pausiert?

Der September hat zwei Gesichter

Die Börsenregel sagt: komm im September zurück. Aber wann genau im September? Historisch zeigt sich, dass die erste Septemberhälfte oft noch ruhiger und schwächer verläuft, während die zweite Hälfte des Monats häufig anzieht. Wer seinen ETF-Sparplan im Sommer pausieren lassen hat und dem zweiten Teil der Regel folgen möchte, sollte eher auf Mitte September warten als am 1. September blind zurückzukehren.

ETF-Sparplan im Sommer pausieren? Oder im Winter? Technisch ist das gar kein Problem

Bevor wir weiter in die Theorie gehen: Falls du gerade konkret überlegst, ob du deinen ETF-Sparplan im Sommer pausieren sollst: ja, das geht problemlos. Bei den meisten Brokern ist es mit wenigen Klicks erledigt. Du kannst deinen Sparplan jederzeit pausieren, die Rate reduzieren oder komplett aussetzen, ohne dass du deine bestehenden ETF-Anteile verkaufen musst.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Deinen Sparplan pausieren bedeutet nicht automatisch, dass du deine ETFs verkaufst. Du stoppst lediglich die regelmäßigen Käufe. Deine bereits gekauften Anteile bleiben im Depot und nehmen weiterhin an der Kursentwicklung teil, nach oben wie nach unten.

Anders sieht es aus, wenn du die Börsenregel konsequent umsetzt und tatsächlich verkaufst. Dann entstehen bei Gewinnen sofort Steuern, und beim Wiedereinstieg im Herbst zahlst du erneut Transaktionskosten. Was in der Theorie nach einer cleveren Strategie klingt, wird in der Praxis schnell teuer. Ob sich das lohnt, schauen wir uns im nächsten Abschnitt genauer an.

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Was sagt die Forschung zu „Sell in May“?

Die Deutsche Bank hat sich die Börsenregel genauer angeschaut und einen Report mit dem Titel „Myth Buster“ veröffentlicht. Der Name ist Programm. Denn wer die Daten kennt, denkt zweimal nach, bevor er seinen ETF-Sparplan im Sommer pausiert.

Ein Mythos, der von wenigen Ausnahmejahren lebt

Auf den ersten Blick sehen die historischen Zahlen tatsächlich beeindruckend aus. „Sell in May“ hat über lange Zeiträume eine Überrendite gegenüber „Buy and Hold“ erzielt. Klingt gut, oder? Aber die Deutsche Bank hat genauer hingeschaut und festgestellt, dass diese Überrendite fast vollständig aus drei Jahren stammt: 1998, 2001 und 2002. Alles Jahre, in denen es im Sommer zu extremen Kurseinbrüchen kam. Wer in diesen Jahren nicht investiert war, vermied massive Verluste.

Das ist der Haken. Die Strategie wettet im Grunde darauf, dass genau solche extremen Sommer-Crashs eintreten. Und in den meisten Jahren tun sie es nicht. Ohne diese drei Ausreißer wäre „Sell in May“ schlechter gelaufen als einfaches Investiert-Bleiben. Die Trefferquote liegt deutlich unter 50 Prozent. In mehr Jahren als nicht wärst du mit einem laufenden ETF-Sparplan besser gefahren als mit dem Versuch, den Sommer zu umschiffen.

Der stille Renditekiller: Steuern und Gebühren

Dazu kommt etwas, das in der Theorie gerne vergessen wird: Jedes Mal verkaufen und wieder kaufen kostet Geld. Transaktionsgebühren beim Broker, und, noch wichtiger, Steuern auf realisierte Gewinne. Wer Anteile mit Gewinn verkauft, zahlt sofort Abgeltungssteuer. Die theoretische Überrendite, die „Sell in May“ in manchen Auswertungen zeigt, schmilzt in der Praxis für uns schnell dahin oder verschwindet ganz.

Wer seinen ETF-Sparplan im Sommer lediglich pausiert, ohne zu verkaufen, umgeht zumindest das Steuerproblem. Aber er verzichtet trotzdem auf die regelmäßigen Käufe zu womöglich günstigen Kursen.

ETF-Sparplan im Sommer pausieren oder investiert bleiben? Meine klare Antwort

Die Forschung ist eindeutig, und meine persönliche Überzeugung auch: Die Dauer im Markt schlägt langfristig das Timing. Wer versucht, den perfekten Aus- und Einstiegszeitpunkt zu finden, verliert in den meisten Jahren mehr als er gewinnt. Das gilt für erfahrene Fondsmanager genauso wie für uns als Privatanleger.

ETF-Sparplan im Sommer pausieren

Stay in the Market schlägt Sell in May

Ein laufender ETF-Sparplan hat einen unterschätzten Vorteil: Er kauft automatisch auch in schwächeren Monaten. Wenn die Kurse im Sommer tatsächlich etwas nachgeben, kaufst du günstiger ein. Das ist kein Bug, das ist ein Feature. Wer seinen ETF-Sparplan im Sommer pausiert, verzichtet genau auf diese Monate mit möglicherweise attraktiveren Einstiegskursen.

Mit einem ETF-Sparplan freust du dich immer: Wenn die Kurse steigen, machst du mehr aus deinem Geld. Und wenn sie fallen, bekommst du mehr Anteile für dein Geld.

Dazu kommt: Die stärksten Börsentage kommen oft überraschend und ohne Vorwarnung. Wer in diesen Momenten nicht investiert ist, verpasst einen überproportional großen Teil der langfristigen Rendite. Das Risiko, genau diese Tage zu verpassen, ist einer der teuersten Fehler beim Investieren.

Was du stattdessen tun kannst

Wenn dich das Marktgeschehen im Sommer trotzdem nervös macht, gibt es einen vernünftigen Mittelweg: Reduziere nur die Sparrate vorübergehend, anstatt den ETF-Sparplan im Sommer pausieren zu lassen. Dein Kapital bleibt investiert, du kaufst weiter, aber mit weniger Druck. Das freiwerdende Kapital kannst du auf einem Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarktfonds parken, bis du wieder mehr Lust auf höhere Raten hast.

Was du nicht tun solltest: verkaufen. Denn dann greift unweigerlich das Steuerproblem, und du stehst vor der unmöglichen Frage, wann genau der richtige Moment zum Wiedereinstieg ist.

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FAQ zu ETF-Sparplan im Sommer pausieren?

Sollte ich meinen ETF-Sparplan im Sommer pausieren?

In den meisten Jahren lohnt es sich nicht. Die Forschung zeigt, dass „Sell in May“ eine Trefferquote von unter 50 Prozent hat. Wer seinen ETF-Sparplan im Sommer pausiert, verzichtet außerdem auf möglicherweise günstige Einstiegskurse und riskiert, die stärksten Börsentage des Jahres zu verpassen.

Was bedeutet „Sell in May“ konkret für meinen ETF-Sparplan?

Die Börsenregel empfiehlt, im Mai aus dem Markt auszusteigen und erst im Herbst wieder einzusteigen. Für einen ETF-Sparplan im Sommer pausieren heißt das: keine neuen Käufe, und im konsequentesten Fall sogar Verkauf der bestehenden Anteile. Letzteres löst jedoch sofort Steuern auf Gewinne aus.

Was ist der Unterschied zwischen ETF-Sparplan im Sommer pausieren und ETFs verkaufen?

Ein pausierter Sparplan stoppt nur die regelmäßigen Käufe. Deine bereits gekauften ETF-Anteile bleiben im Depot und entwickeln sich weiter. Beim Verkauf hingegen realisierst du Gewinne, zahlst Abgeltungssteuer und stehst anschließend vor der schwierigen Frage, wann du wieder einsteigen sollst.

Was mache ich mit meinem Geld, wenn ich die Strategie ETF-Sparplan im Sommer pausieren anwende?

Wenn du deinen ETF-Sparplan im Sommer pausierst, ohne zu verkaufen, kannst du die freiwerdende Sparrate auf einem Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarktfonds zwischenparken. So bleibt das Geld flexibel und steht dir im Herbst wieder zur Verfügung.

Ist Mitte September wirklich der beste Zeitpunkt, nach dem ETF-Sparplan im Sommer pausieren wieder einzusteigen?

Wer der Börsenregel folgen möchte, sollte zumindest nicht am 1. September blind zurückkehren. Historisch verläuft die erste Septemberhälfte oft schwächer, während die zweite Hälfte häufig anzieht. Den perfekten Moment gibt es aber nicht. Und genau das ist das grundlegende Problem jeder Timing-Strategie, wie auch dieser hier, den ETF-Sparplan im Sommer pausieren zu lassen.

Hallo, hier schreibt Karina!

Hi, ich bin Karina Metzdorf: zertifizierte Börsenhändlerin und Finanzanlagenfachfrau (IHK), Diplom-Ingenieurin und seit 2012 aktive Investorin mit eigenem Depot.

Ich investiere selbst in Aktien, ETF und Bitcoin und teile hier mein Wissen mit dir: praxisnah, mit System und einer Prise Humor.

Ich bin regelmäßig zu Gast als TV-Expertin bei ntv und schreibe eine monatliche Kolumne für Finanzielle.

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