MSCI World, MSCI ACWI, MSCI Emerging Markets & Co: Wie viele ETFs wirklich sinnvoll sind
Hervorragend, denkst du und bist mächtig stolz auf dich, sobald du deinen ersten Sparplan auf einen der vielen MSCI World ETFs gestartet hast.
Endlich investierst du. Endlich passiert etwas. Bye-bye Sparbuch, hello Börse!
Total motiviert von deinen ersten Erfolgen informierst du dich weiter über die Börse, liest und recherchierst und stößt auf einmal auf immer neue Namen, die doch alle irgendwie ähnlich klingen:
- MSCI ACWI
- MSCI World ex USA
- MSCI Emerging Markets
- MSCI Europe
Und schon ist dein ganzer Stolz dahin, und du bist wieder total verwirrt. Denn auf einmal wirkt dein ETF-Start gar nicht mehr so einfach. Plötzlich scheint es, als müsstest du dein Depot komplizierter machen, um „richtig“ zu investieren.
Oder auf deinem Konto liegt eine größere Summe, die du jetzt auch an die Börse bringen willst. Und da kann doch nicht nur ein ETF richtig sein? Denn es fühlt sich nicht stimmig an, viel Geld in nur einen ETF zu stecken, stimmt’s?
Spoiler: Doch. Ein ETF könnte ausreichen.
Du kannst mit 10 Euro im Monat mehrere ETFs besparen. Oder du kannst ein sechsstelliges Depot mit nur einem einzigen ETF aufbauen.
Denn die Anzahl deiner ETFs hat nichts mit der Geldmenge zu tun. Sondern mit der viel spannenderen Frage:
Wie einfach möchtest du investieren?
Genau das klären wir in diesem Artikel. Am Ende weißt du:
- ob ein ETF reicht
- wann zwei sinnvoll sind
- und wann mehrere wirklich Sinn ergeben.
Und vielleicht stellst du dann fest: Dein Depot darf viel einfacher sein, als du denkst!

MSCI World ETFs im Vergleich in diesen Kapiteln
Kurzfassung: Wie viele MSCI World ETFs brauchst du wirklich?
Wenn du nur die schnelle Antwort möchtest:
- 1 ETF reicht, wenn du es maximal einfach willst: Ein ETF auf den MSCI ACWI IMI deckt fast den gesamten weltweiten Aktienmarkt ab.
- 2 ETFs sind der Klassiker, wenn du etwas mehr steuern möchtest: Kombination aus MSCI World und MSCI Emerging Markets
- 3 – 4 ETFs sind Feintuning, wenn du eine konkrete Vorstellung von den zukünftigen Gewinnern hast, und z. B. Europa ergänzen oder den USA-Anteil bewusst steuern willst
Mehr brauchst du in den meisten Depots nicht. Denn:
Investieren ist immer deine Wette auf die Zukunft
Je nachdem, wie stark du diese Wette selbst gestalten möchtest, brauchst du mehr oder weniger ETFs. Mehr Geld bedeutet nicht automatisch mehr ETFs!
Die ETF-Anzahl hängt von deiner Strategie ab; nicht von deiner Depotgröße.
Im Rest des Artikels schauen wir uns an, warum es überhaupt so viele MSCI Indizes gibt und welche Rolle sie in deinem Depot wirklich spielen.
Warum gibt es überhaupt so viele MSCI Indizes?
Weil es weltweit rund 50.000 börsennotierte Aktien gibt. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Regionen, aus verschiedenen Branchen, und sie haben ganz unterschiedliche Eigenschaften.
Oder bildlich gesprochen: Das sind rote, grüne und blaue Legosteine. Große, kleine, runde und eckige.
Die einzelnen Aktien sind die Legosteine. Der Anbieter MSCI macht daraus fertige Lego-Sets, die Aktienindizes. Also den Lego Technik Bagger, den Lego City Schneepflug oder den Lego Star Wars Todesstern.
Der ETF ist in diesem Bild die Schachtel im Laden, die du kaufen kannst. Darin steckt das komplette Lego-Set, also der fertige Aktienindex.
Damit aus 50.000 Legosteinen sinnvolle Sets entstehen, muss MSCI den weltweiten Aktienmarkt zuerst sortieren. Und dafür gibt es drei große Kriterien.
1. Industrieländer vs. Schwellenländer
Nicht alle Länder sind wirtschaftlich gleich weit entwickelt. Darum unterscheidet MSCI zwischen:
- Industrieländern (Developed Markets): z. B. USA, Deutschland, Japan, Australien
- Schwellenländern (Emerging Markets): z. B. China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südkorea
Diese Trennung ist wichtig, denn Schwellenländer wachsen oft schneller, schwanken aber auch stärker und manche haben ein politisches Risiko. Industrieländer gelten dagegen als stabiler.
Und genau deshalb existieren getrennte „Lego-Sets“:
- Der MSCI World enthält nur Industrieländer
- Der MSCI Emerging Markets enthält nur Schwellenländer
- Im MSCI ACWI steckt beides zusammen drin
Hier wird schon sichtbar: Die Indizes sind einfach Bausteine, die du kombinieren kannst.
2. Große vs. kleine Unternehmen
Unternehmen sind nicht alle gleich groß.
Es gibt:
- riesige Konzerne (Large Caps)
- mittelgroße Unternehmen (Mid Caps)
- kleine Firmen mit Wachstumspotenzial (Small Caps)
Viele bekannte Indizes enthalten nur große und mittelgroße Unternehmen. Small Caps können ein zusätzlicher Baustein sein, denn sie bieten Aufholpotential.
Und so stecken die verschiedenen Unternehmensgrößen in den Indizes drin:
- Der MSCI World enthält große und mittelgroße Unternehmen
- Der MSCI World Small Cap enthält nur kleine Unternehmen
- Der MSCI ACWI IMI enthält alle Größen in einem Index
Auch hier siehst du wieder: Du kannst alles in einem Set kaufen, oder einzelne Sets kombinieren.
3. USA vs. Rest der Welt
Der größte Aktienmarkt der Welt sind die USA. Und zwar mit riesengroßem Abstand. Deshalb stecken in vielen Welt-Indizes sehr viele US-Unternehmen mit einer großen Gewichtung. Wenn du solche Welt-ETF hast, hängt der Erfolg deines Portfolios also direkt vom Erfolg der USA ab.
Manche Anleger akzeptieren das einfach. Andere möchten den USA-Anteil bewusst steuern.
Darum existieren auch hier eigene Bausteine:
- Im Aktienindex S&P 500 stecken nur US-amerikanische Unternehmen drin.
- Der MSCI World ex USA enthält die Industrieländer, aber ohne die USA
- Der MSCI World, MSCI ACWI und MSCI ACWI IMI enthalten einen großen USA-Anteil (> 70 %)
Du entscheidest mit der Wahl deines ETF also, wie stark du (aktuell) auf die USA setzen möchtest.
All diese MSCI Indizes sind nichts anderes als Bausteine des Weltmarkts.
Du kannst ein fertiges Komplett-Set kaufen, oder dir dein eigenes Set zusammenstellen.
Welche Rolle die MSCI Indizes in deinem Depot spielen
Jetzt kennst du die Lego-Logik hinter MSCI. Und trotzdem bleibt noch die Frage: „Karina, welchen soll ich denn jetzt nehmen?“
Schauen wir uns die wichtigsten „Sets“ also an, und vor allem: wann du sie wirklich brauchst.
MSCI ACWI: Die Welt in nur einem ETF
Was steckt drin?
Ca. 2.600 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern und 24 Schwellenländern.
Welche Rolle im Depot?
Der MSCI ACWI ist für viele der perfekte Start-ETF. Denn er kombiniert den MSCI World und MSCI Emerging Markets in einem einzigen Index, wobei die Schwellenländer derzeit unterrepräsentiert sind. Dieser hier ist mit 0,12 % jährlicher Kostenquote auch erfreulich günstig.
Wann brauchst du ihn?
Wenn du dein Depot einfach starten möchtest, mit einem einzigen ETF, der weltweit investiert. Viele Anleger beginnen mit dem MSCI World und ergänzen später Emerging Markets. Mit dem ACWI überspringst du diesen Zwischenschritt einfach. Mehr als diesen würdest du in deinem gesamten Anlegerleben gar nicht brauchen. Von 10 Euro bis sechsstellige Summen: dieser hier würde ausreichen. Übrigens ist der auch super für dein Kind geeignet.
MSCI ACWI IMI: Das Komplett-Set
Was steckt drin?
Große, mittlere und kleine Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, insgesamt derzeit über 8.200 Aktien.
Welche Rolle im Depot?
Der ACWI IMI ist die maximal breite Version des ACWI. Mehr Aktien in einem ETF wirst du schwer finden. Mit 0,17 % jährliche Kosten dafür aber etwas teurer als der MSCI ACWI.
Wann brauchst du ihn?
Wenn du dein Aktien-Depot langfristig mit nur einem ETF abdecken möchtest. Im Unterschied zum ACWI sind hier zusätzlich kleine Unternehmen enthalten.
MSCI World: Der Baustein für Industrieländer
Was steckt drin?
Der MSCI World klingt zwar nach Welt, enthält aber ca. 1.400 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern, wobei der USA-Anteil derzeit über 70 % beträgt.
Welche Rolle im Depot?
Der MSCI World ist der Klassiker für den Depotaufbau und für viele der erste ETF überhaupt. Aber wichtig ist zu verstehen: Er ist kein Weltindex, sondern bildet nur die Industrieländer ab!
Wann brauchst du ihn?
Wenn du dein Depot in Bausteine aufteilen möchtest, und den Schwellenländeranteil separat steuern willst. Genau deshalb ist er der erste Teil der bekannten Kombination, die du an jeder Ecke hörst: MSCI World + MSCI Emerging Markets.
MSCI Emerging Markets: Die Ergänzung für Schwellenländer
Was steckt drin?
Ca. 1.250 große und mittelgroße Unternehmen aus 24 Schwellenländern. Derzeit sind Taiwan, China und Indien die größten.
Welche Rolle im Depot?
Dieser Index ist kein Ersatz für den MSCI World, sondern seine Ergänzung. Gemeinsam ergeben beide Indizes das, was der MSCI ACWI in einem ETF abbildet.
Wann brauchst du ihn?
Wenn du die klassische 2-ETF-Strategie umsetzen möchtest und selbst entscheiden willst, wie stark du in Schwellenländer investierst. Viele Anleger wählen z. B. eine Aufteilung von 70 % MSCI World und 30 % Emerging Markets. Aber das ist keine feste Regel, sondern eine persönliche Entscheidung.
MSCI World ex USA: Weniger USA im Depot
Was steckt drin?
Der MSCI World, jedoch ohne die Unternehmen aus den USA, die sonst im MSCI World ganz stark vertreten sind. Das macht dann knapp 800 große und mittelgroße Unternehmen, aus Japan, UK, Kanada und Europa.
Welche Rolle im Depot?
Viele Anleger stellen irgendwann fest: Der USA-Anteil im MSCI World ist sehr hoch. Das ist durchaus kein Fehler, denn die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt und sehr innovativ. Trotzdem möchten manche Investoren den USA-Anteil bewusst selbst steuern.
Genau dafür gibt es den MSCI World ex USA.
Wann brauchst du ihn?
Wenn du den USA-Anteil aktiv selbst festlegen möchtest, und Europa übergewichten willst. Mit dem baust du dir deinen „eigenen MSCI World“, der weniger USA enthält. Du könntest mit einem S&P 500 ETF den USA-Anteil festlegen, und mit dem MSCI World ex-USA den Anteil der restlichen Industrieländer hinzufügen.
MSCI Europe: Wette auf Europa
Was steckt drin?
Große und mittelgroße Unternehmen aus europäischen Industrieländern.
Welche Rolle im Depot?
Der MSCI Europe ist kein Pflicht-Baustein, sondern eine bewusste Zusatzwette. Du setzt damit gezielt auf Europa und erhöhst den Anteil europäischer Unternehmen in deinem Depot.
Wann brauchst du ihn?
Wenn du eine klare Meinung zur Zukunft Europas hast und diese Wette in deinem Depot sichtbar machen möchtest. Du brauchst aber nicht den MSCI Europe und den MSCI World ex-USA gleichzeitig, denn beide enthalten die selben Unternehmen, mit Ausnahme der in Kanada, Japan und Australien.
So kombinierst du die MSCI World ETFs sinnvoll
Strategie 1: Ein ETF – maximal einfach
Du investierst einfach in einen einzigen ETF auf den MSCI ACWI.
Was du bekommst:
Große und mittelgroße Unternehmen weltweit aus Industrie- und Schwellenländern. Damit deckst du bereits den Großteil des globalen Aktienmarkts ab.
Ideal für dich, wenn du dein Depot so einfach wie möglich halten möchtest.
Diese Strategie ist keine „Anfängerlösung“. Viele langfristige Anleger bleiben ihr ganz bewusst treu. Ein MSCI ACWI ETF ist hervorragend für langfristiges Buy-and-Hold geeignet, egal ob da 10 oder 100.000 Euro drinliegen.
Strategie 2: Zwei ETFs – der Klassiker
Hier kombinierst du den MSCI World und den MSCI Emerging Markets.
Was du bekommst:
Du trennst Industrieländer und Schwellenländer und kannst selbst entscheiden, wie stark du in Schwellenländer investieren möchtest.
Ideal für dich, wenn du die Gewichtung zwischen Industrie- und Schwellenländern selbst steuern möchtest.
Typische Aufteilung: 70 % MSCI World + 30 % Emerging Markets, (aber das ist keine feste Regel). Diese Kombination bildet in Summe das ab, was der MSCI ACWI in einem ETF macht, nur anders gerichtet.
Strategie 3: Feintuning – deine persönliche Zukunftswette
Jetzt wird es individuell. Denn Investieren ist deine Wette auf die Zukunft. Hier ergänzt du dein Depot gezielt um zusätzliche Bausteine, wenn du eine klare Meinung hast.
Weniger USA: Kombination aus MSCI World ex USA + S&P 500
Mehr Europa: MSCI World oder MSCI ACWI und als Ergänzung einen MSCI Europe ETF.
Ideal für dich, wenn du bewusst eigene Schwerpunkte setzen möchtest.
Fazit: Dein Depot darf einfacher sein, als du denkst
Vielleicht bist du mit der Frage gestartet, wie viele MSCI World ETFs du brauchst. Und vielleicht war deine Vermutung: mehrere.
Jetzt kennst du die Antwort: Weniger, als du dachtest.
Ein ETF kann bereits reichen. Zwei ETFs sind der Klassiker. Mehrere ETFs sind Feintuning; keine Pflicht.
Und das Wichtigste: Die Anzahl deiner ETF hängt nicht vom Vermögen ab, das du investierst. Sie zeigt nur, wie stark du deine Wette auf die Zukunft selbst gestalten möchtest.
Du kannst den weltweiten Aktienmarkt mit einem einzigen ETF kaufen. Oder du kannst ihn in Bausteine zerlegen und selbst gewichten. Aber mach’s nicht zu kompliziert! Denn entscheidend ist, dass dein Geld langfristig investiert ist und für dich arbeitet.
Und wenn du noch am Anfang stehst: Starte einfach. Du kannst jederzeit nachjustieren.
Häufige Fragen über MSCI World ETF
Reicht ein MSCI World ETF aus?
Ja, für viele Anleger reicht ein einzelner ETF völlig aus.
Mit einem ETF auf den MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI investierst du bereits weltweit. Selbst ein MSCI World ETF ist für viele langfristige Buy-and-Hold-Strategien absolut ausreichend. Mehr ETFs sind kein Muss, sondern nur Feintuning.
Wie viele ETFs sollte man im Depot haben?
Die meisten Depots brauchen 1 – 2 ETFs.
1 ETF: maximale Einfachheit (z. B. MSCI ACWI)
2 ETFs: Klassiker (MSCI World + Emerging Markets)
Mehr ETFs sind nur sinnvoll, wenn du bewusst Regionen oder Länder stärker gewichten möchtest.
Dabei ist die Anzahl der ETF nicht abhängig von der Höhe des investierten Vermögens!
Brauche ich mehr ETFs, wenn ich viel Geld investiere?
Nein. Die Anzahl der ETFs hängt nicht von der Depotgröße ab.
Du kannst ein sechsstellige Depot mit einem einzigen ETF führen oder kleine Sparraten auf mehrere ETFs verteilen. Entscheidend ist deine Strategie – nicht die Geldmenge.
Was ist besser: der MSCI World oder MSCI ACWI?
Der Unterschied liegt in den Schwellenländern.
Der MSCI World enthält nur Industrieländer; der MSCI ACWI enthält Industrieländer und Schwellenländer.
Wenn du alles in einem ETF möchtest, ist der MSCI ACWI die einfachere Lösung. Wenn du den Anteil der Schwellenländer selbst steuern willst, kombinierst du MSCI World mit einem MSCI Emerging Markets.
Wann machen zusätzliche ETFs wie der MSCI World ex-USA oder der MSCI Europe Sinn?
Zusätzliche ETFs sind eine bewusste Wette auf bestimmte Regionen.
Zum Beispiel gewichtest du mit dem MSCI Europe Europa stärker, und reduzierst mit dem MSCI World ex-USA den USA-Anteil.
Das ist optional und nur sinnvoll, wenn du bewusst eigene Schwerpunkte setzen möchtest. Denn Investieren ist deine Wette auf die Zukunft.




