Riester war ein Geschenk des Staates.
Das war zumindest die Idee.
In der Realität hast du und haben Millionen andere jahrelang brav eingezahlt, ihre Zulagen beantragt, ihre Steuererklärung ausgefüllt, und am Ende trotzdem kaum Rendite gesehen. Nicht weil du etwas falsch gemacht hast. Sondern weil das Produkt selbst fehlerhaft konstruiert war.
Jetzt steht die Frage im Raum, die gerade Millionen Sparer beschäftigt: Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen? Oder einfach weiterlaufen lassen?
Die Antwort hängt natürlich von deiner speziellen Situation ab. Aber in 90 % der Fälle ist die Antwort ganz eindeutig. Das liest du in diesem Beitrag:
Warum Riester ein schlechtes Geschäft war
Lass uns zuerst einen Blick zurück werfen. Warum hat Riester so schlecht funktioniert?
Grund 1: Die Beitragsgarantie
Riester-Anbieter mussten garantieren, dass zum Rentenbeginn mindestens alle eingezahlten Beiträge zurückgezahlt werden. Klingt sicher. Ist es auch. Aber du kennst ja meine Lieblingsweisheit an der Börse:
Rendite gibt es nur gegen Risiko.
Um diese Garantie erfüllen zu können, steckten Anbieter den Großteil des Geldes in renditeschwache Anleihen und Garantiefonds, nicht in Aktien. In der langen Niedrigzinsphase bedeutete das: null Rendite auf den größten Teil des Portfolios. Der Aktienmarkt legte währenddessen eine Rallye nach der anderen hin. Riester-Sparer machten nichts davon mit.
Grund 2: Komplexe Sicherungsmechanismen
Um die Beitragsgarantie aufrechtzuerhalten, mussten Anbieter ständig umschichten, Risiko reduzieren, Absicherungsinstrumente einsetzen. Das passierte oft zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, genau dann, wenn die Märkte nach einem Crash wieder nach oben zogen. Das Ergebnis: schlechtes Timing, das die ohnehin magere Rendite weiter drückte. Und Gebühren für das Umschichten gleich noch obendrauf.
Grund 3: Hohe Kosten auf allen Ebenen
Abschlusskosten, laufende Verwaltungskosten, Fondskosten, Sicherungskosten. Bei Riester-Verträgen kamen alle gleichzeitig. Versicherung plus Garantie plus Verwaltung ist nun mal teuer.
Das Resultat: Viele Verträge schafften nach Kosten gerade einmal 1 bis 3 Prozent Rendite pro Jahr, wenn überhaupt. Zum Vergleich: der MSCI World hat seit 1972 im Schnitt 7,2 Prozent pro Jahr erzielt.
Was dein Riester dir also gebracht hat
Wer 2002 angefangen hat, monatlich 100 Euro einzuzahlen, steht nach 25 Jahren bei rund 47.000 Euro. Hätte es das Altersvorsorgedepot damals schon gegeben, gleicher Eigenbeitrag, aber angelegt in einem MSCI-World-ETF mit den neuen Zulagen, wären daraus rund 90.000 Euro geworden.
43.000 Euro Unterschied. Bei identischem Eigenbeitrag.
Das ist der Preis der Konstruktionsfehler. Und genau deshalb lohnt es sich, jetzt genau hinzuschauen: Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen? Oder einfach ruhen lassen?
Speaking of: Was das Altersvorsorgedepot genau ist
Bevor wir zur Frage kommen, ob du dein Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen solltest, kurz das Wichtigste zum neuen Produkt.
Das Altersvorsorgedepot ist ab 2027 der staatlich geförderte Nachfolger der Riester-Rente. Kein Versicherungsmantel, keine Beitragsgarantie, keine versteckten Kosten. Stattdessen: ein normales Wertpapierdepot mit dem du selbst in ETFs investierst, und das der Staat mit bis zu 540 Euro pro Jahr fördert. Dieses Altersvorsorge-Wertpapierdepot ist ein eigenes Depot, das du zusätzlich zu deinem bestehenden Depot hast, mit einigen wesentlichen Unterschieden.
>> Diese wesentlichen Unterschiede und die Funktionsweise erfährst du in meinem Beitrag: Das Altersvorsorgedepot ist ein eigenes Depot

Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen? Erst mal: Was eine Kündigung wirklich kostet
Bevor wir zu den sinnvollen Optionen kommen, kurz zum größten Fehler, den du machen kannst: die Kündigung deines Riester-Vertrags.
Die Kündigung deines Riester-Vertrags ist die schlechteste aller Optionen.
Denn wenn du kündigst, löst du eine sogenannte förderschädliche Verwendung aus. Das klingt nach Bürokratendeutsch. Was es bedeutet, ist simpel: Du musst alle Zulagen und Steuervorteile, die du je bekommen hast, vollständig an den Staat zurückzahlen. Autsch.
Was das in Euro bedeutet
Wenn du als Single ohne Kinder seit 2005 riesterst, hast du in dieser Zeit rund 3.500 Euro an Grundzulagen angesammelt. Die sind bei einer Kündigung komplett weg, die musst du zurückzahlen. Dazu kommen Stornogebühren des Anbieters, die den Verlust noch weiter vergrößern.
Und das Bittere daran: Du bekommst zwar dein verbleibendes Guthaben ausgezahlt, aber nach Abzug aller Rückforderungen und Gebühren bleibt oft deutlich weniger übrig, als auf dem Kontoauszug stand.
Auch ein schlechter Vertrag ist besser als eine Kündigung
Das klingt paradox, ist es aber nicht.
Selbst ein Riester-Vertrag mit hohen Kosten und miserabler Rendite ist besser beitragsfrei gestellt als gekündigt.
Das Guthaben läuft weiter, die Zulagen bleiben erhalten, und du verlierst keinen Cent an den Staat zurück.
Es gibt schlicht keine Konstellation, in der eine Kündigung wirtschaftlich Sinn ergibt. Keine einzige.
Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen: Deine 3 Alternativen
Also: Wenn Kündigen keine Option ist, was dann? Du hast drei sinnvolle Wege. Und alle drei sind besser als kündigen.
Option 1: Riester-Vertrag ruhen lassen
Du stellst deinen Riester-Vertrag „beitragsfrei“. Das bedeutet: keine neuen Einzahlungen, keine neuen Zulagen, aber das vorhandene Guthaben bleibt investiert. Alle bisherigen Zulagen bleiben erhalten.
Diese Option macht Sinn, wenn dein Vertrag schon lange läuft und die Abschlusskosten längst abbezahlt sind. Du lässt das alte Geld einfach weiterlaufen und eröffnest ab 2027 parallel ein Altersvorsorgedepot.
Option 2: Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen
Das ist für die meisten die beste Entscheidung.
Ab 2027 kannst du dein gesamtes Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot überführen. Alle bisherigen Zulagen wandern mit. Nichts wird zurückgefordert. Die Übertragung ist förderunschädlich, im Gegensatz zur Kündigung, bei der alles verloren geht.
Der Wechsel ist unkompliziert. Ein formloses Schreiben an deinen bisherigen Anbieter wird genügen. Seine Zustimmung ist gesetzlich nicht erforderlich. Läuft dein Vertrag bereits länger als fünf Jahre, ist der Wechsel kostenlos. In den ersten fünf Jahren darf der Anbieter maximal 150 Euro Gebühr verlangen.
Ab dem Moment der Übertragung greift sofort die neue Fördersystematik: Statt fester 175 Euro Grundzulage bekommst du bis zu 540 Euro jährlich. Dein Geld arbeitet endlich ohne Garantie-Bremse. Wenn du willst mit voller Aktienquote, in einem ETF deiner Wahl.
Option 3: Vertrag mit alter Fördersystematik weiterlaufen lassen
Du kannst deinen Riester-Vertrag auch einfach so weiterführen wie bisher. Selbe Einzahlungen, selbe Zulagen, selbe Kosten, selbe Garantie. Bestehende Verträge genießen vollen Bestandsschutz.
Für die meisten Sparerinnen ist das aber keine gute Idee. Du bleibst in einem teuren, renditeschwachen Produkt, während das neue System deutlich bessere Konditionen bietet.
Es gibt allerdings eine kleine Gruppe, für die diese Option passen kann. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.
Für wen lohnt sich der Wechsel ins Altersvorsorgedepot?
Die kurze Antwort: für die meisten.
Die etwas längere Antwort kommt jetzt.
Wechseln solltest du, wenn…
… du Single bist, gut verdienst oder keine Kinder hast. Für dich waren die festen Riester-Zulagen von 175 Euro ohnehin nie besonders attraktiv. Im Altersvorsorgedepot bekommst du bis zu 540 Euro jährlich, und zwar abhängig davon, wie viel du einzahlst. Je mehr du sparst, desto mehr holt du aus dem neuen System heraus.
Dasselbe gilt, wenn du selbstständig bist, so wie ich. Riester war für Selbstständige komplett gesperrt. Das Altersvorsorgedepot öffnet die staatliche Förderung erstmals auch für dich und mich.
Wechseln ist auch sinnvoll, wenn du noch viele Jahre bis zur Rente hast. Denn der größte Hebel des Altersvorsorgedepots ist der Zinseszins auf eine echte Aktienrendite über viele Jahre. Je früher du wechselst, desto mehr Zeit hat dein Geld zum Wachsen.
Ruhen lassen ist besser, wenn…
… dein Vertrag schon sehr lange läuft, die Abschlusskosten längst abbezahlt sind und du noch ein paar Jahre bis zur Rente hast. In diesem Fall kannst du das alte Guthaben einfach weiterlaufen lassen und parallel ab 2027 frisches Geld ins Altersvorsorgedepot stecken.
Behalten solltest du deinen Riester-Vertrag nur, wenn…
… du wenig verdienst, mehrere Kinder hast und weniger als 25 Euro im Monat sparen kannst. Für dich sind die festen Kinderzulagen im alten System weiterhin vorteilhaft. Oder wenn du bereits in der Auszahlungsphase bist, dann ist eine Übertragung ohnehin nicht mehr möglich.
Was mir der Wechsel ins Altersvorsorgedepot konkret bringt
Genug Theorie. Lass uns rechnen.
Mein Beispiel: 60.000 Euro Unterschied
Ich bin 45, habe seit 2010 einen Riester-Fondssparplan und zahle 100 Euro im Monat ein. Mein aktuelles Guthaben: 25.000 Euro. Noch 20 Jahre bis zur Rente.
Ich stelle mir genau die Frage, um die es in diesem Artikel geht: Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Wenn ich meinen Riester behalte
Die Beitragsgarantie zwingt mein Geld in Anleihen. Die Aktienquote liegt bei ungefähr 25 Prozent. Die Effektivkosten betragen 2 Prozent pro Jahr. Nach 20 Jahren stehe ich bei rund 38.000 Euro.
Wenn ich meinen Riester kündige und ins Altersvorsorgedepot übertrage:
Ich investiere in einen MSCI-World-ETF.
- Kosten: 0,2 Prozent pro Jahr
- Erwartete Rendite: 6 % pro Jahr
- Aktienquote: 100 Prozent
- Förderung: 390 Euro statt 175 Euro jährlich
- Nach 20 Jahren stehe ich bei rund 98.000 Euro.
Die Differenz: 60.000 Euro. Bei identischem Eigenbeitrag von 100 Euro im Monat!!
Woher kommt der Unterschied zwischen Riester und Altersvorsorgedepot?
Drei Hebel wirken gleichzeitig:
Erstens die Kosten. Der Unterschied von 2 auf 0,2 Prozent klingt klein. Über 20 Jahre frisst er allein rund 15.000 Euro. (Das ist übrigens auch der Grund, warum du nicht auf das Standarddepot zu 1 % Kosten setzen solltest, sondern die Wertpapiere in deinem Altersvorsorgedepot selbst aussuchst!)
Zweitens die Förderung. Statt 175 Euro fließen 390 Euro Grundzulage ins Depot. 215 Euro mehr pro Jahr, die ihrerseits Rendite erwirtschaften.
Drittens die Aktienquote. Ohne Garantie-Bremse arbeitet mein Geld vollständig am Aktienmarkt. Der Unterschied zwischen 1 und 6 Prozent Rendite nach Kosten ist über 20 Jahre der allergrößte Treiber von allen.
Fazit: Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Die Antwort kennst du jetzt.
Kündigen ist keine Option. Einfach weiterlaufen lassen ist für die meisten auch keine gute Idee. Der Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist für die große Mehrheit die klare Empfehlung. Weniger Kosten, mehr Förderung, volle Aktienquote. Und das mit einem einzigen formlosen Schreiben an deinen alten Anbieter.
Ich werde das selbst so machen. Als 45-Jährige mit noch 20 Jahren bis zur Rente wäre es schlicht unklug, das nicht zu tun.
Der einzige echte Fehler wäre, jetzt nichts zu tun. Selbstverständlich werde ich dich dabei begleiten. Sobald es konkrete Produkte für das Altersvorsorgedepot gibt, werde ich dir den konkreten Weg dahin erklären.
Bis dahin: Schau dir deinen Riester-Vertrag an. Fordere die jährliche Kosteninformation an. Schau dir die Zeile Effektivkosten an. Und dann weißt du, wie dringend der Handlungsbedarf ist.
FAQ
Soll ich meinen Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Für die meisten ist die Übertragung von Riester ins Altersvorsorgedepot die beste Wahl. Kündigen ist fast immer ein Fehler, weil du dabei alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen musst. Die Übertragung ist dagegen förderunschädlich: Alle bisherigen Zulagen bleiben erhalten, und du kannst die Vorteile des Altersvorsorgedepots mit deinem bereits angesparten Vermögen nutzen.
Was passiert mit meinen Zulagen, wenn ich Riester kündige oder den Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen lasse?
Das ist der entscheidende Unterschied. Bei einer Kündigung musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile vollständig zurückzahlen. Bei einer Übertragung von Riester ins Altersvorsorgedepot wandern alle bisherigen Zulagen mit. Kein Cent geht verloren.
Was kostet es, Riester zu kündigen oder den Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen zu lassen?
Eine Kündigung kostet dich im schlimmsten Fall tausende Euro an zurückgeforderten Zulagen plus Stornogebühren. Den Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen zu lassen ist nach fünf Vertragsjahren komplett kostenlos. In den ersten fünf Jahren darf der Anbieter maximal 150 Euro verlangen.
Wann lohnt es sich, Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen zu lassen?
Kündigen lohnt sich nie. Die Übertragung lohnt sich ab 2027 für fast alle: Singles, Paare, Gutverdienerinnen und erstmals auch Selbstständige. Je länger deine Restlaufzeit bis zur Rente, desto größer der Effekt.
Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen: Wie funktioniert die Übertragung?
Nach aktuellem Gesetzesstand genügt es, ein formloses Schreiben an deinen bisherigen Riester-Anbieter. Seine Zustimmung ist nicht erforderlich. Sobald das Guthaben im neuen Depot angekommen ist, greift sofort die neue Fördersystematik mit bis zu 540 Euro Grundzulage jährlich.
Hier findest du mehr Fragen und Antworten zum Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen direkt beim Bundesfinanzministerium.



