Weißt du, wer mich gerade wirklich aus dem Häuschen bringt? Die Gesetzgebung. Ich weiß. Klingt seltsam. Auch du wirst überrascht sein.
In dieser Woche wurde es beschlossen: Ab 2027 kommt das neue Altersvorsorgedepot. Das wird ein eigenes Depot, in dem du staatlich gefördert an der Börse investieren kannst. Und das nun erstmalig ohne Versicherungsmantel, ohne Garantiepflicht, sondern mit echter Renditechance an der Börse!
Und dahinter steckt etwas, das mich vollkommen aus dem Häuschen bringt: Erstmalig erkennen wir Deutschen ganz offiziell an, dass langfristiger Vermögensaufbau an der Börse funktioniert. Obwohl die Kurse schwanken.
Da haben wir Deutschen einen ganz großen Schritt über unseren Schatten gemacht.
Jahrzehntelang standen wir der Börse sehr misstrauisch gegenüber. Deshalb mussten bei Riester Garantien her, die das Kapital erhalten. Das eingezahlte Geld musste am Ende mindestens noch da sein, egal was der Markt macht. Aber Kapitalgarantie und die Kosten des Versicherungsmantels haben die Riestersche Rendite aufgefressen und uns alle unzufrieden mit unseren Riesterverträgen zurückgelassen. Das wird sich nun alles ändern!
Wie dieses Altersvorsorgedepot als eigenes Depot nun funktioniert, was der Staat dir konkret dazugibt und warum das wirklich so neu ist, erfährst du in diesem Beitrag.
Was ist das Altersvorsorgedepot, und warum ist es ein eigenes Depot?
„Ist das Altersvorsorgedepot ein eigenes Depot?“ ist die erste Frage, die ich von Kundinnen höre. Total berechtigt, denn der Name klingt erst mal wie ein ganz normales Depot. Ist es aber nicht.
Anders als dein normales Depot
Das Altersvorsorgedepot ist ein eigener, zertifizierter Vertrag. Schon bald wirst du diesen Vertrag bei Banken, Neobrokern, Fondsgesellschaften oder Versicherungen abschließen können.
Das Altersvorsorgedepot ist ein eigenes, separates Depot, das du neu eröffnen musst.
Dieser Altersvorsorgedepot-Vertrag wird sich anfühlen wie ein zusätzliches Depot, mit jedoch einigen entscheidenden Unterschieden:
- Einmal eingezahlt, kannst du das Geld erst im Alter wieder entnehmen
- Für deine Einzahlungen bekommst du staatliche Zulagen und kannst die Einzahlungen steuerlich geltend machen
- Während der Ansparphase kannst du Wertpapiere steuerfrei umschichten
- In der Entnahmephase werden Gewinne aus dem Altersvorsorgedepot als Einkommen versteuert, aber unter besonderen Bedingungen nur zur Hälfte!
- Du kannst keine bestehenden ETF-Anteile aus deinem privaten Depot übertragen. Das Geld fließt frisch ein.
Was darf ins Altersvorsorgedepot rein?
Eine weitere häufige Frage ist: „Kann ich da einfach alles kaufen wie in meinem normalen Depot?“ Die Antwort ist zwar nein, aber das Nein ist kleiner als du denkst.
Rendite gibt es nur gegen Risiko.
Rendite gibt es nur gegen Risiko. Dieser Satz ist an der Börse, aber übertragen auch im Leben, immer gültig. Das hat der Gesetzgeber beim Altersvorsorgedepot berücksichtigt, und in einer Positivliste die erlaubten Wertpapiere zusammengestellt.
Die gute Nachricht: marktbreite ETFs, zum Beispiel auf den MSCI World, den MSCI All Countries World oder den FTSE All-World sind alle erlaubt. Du kannst also bis zu 100 Prozent deines Altersvorsorgedepots in Aktien-ETFs investieren. Breit gestreut, weltweit, mit voller Renditechance.
Was nicht geht sind Einzelaktien, Kryptowährungen, Hebelprodukte wie CFDs oder Optionsscheine. Auch sehr risikoreiche Fonds sind ausgeschlossen.
| Zugelassene Wertpapiere | Nicht zugelassene Wertpapiere |
| ETFs und Investmentfonds (Risikoklasse 1–5 nach SRRI) | Einzelaktien |
| Anleihen von EU-Staaten | Kryptowährungen und Krypto-ETPs |
| Anleihen deutscher Bundesländer und Gemeinden | Hebelprodukte (CFDs, Optionsscheine, Zertifikate) |
| Geldmarktfonds | Fonds der Risikoklassen 6 und 7 |
Exkurs: Was ist die Risiko-Einstufung nach SRRI?
SRRI ist eine europaweit einheitliche Skala von 1 bis 7, die angibt, wie stark ein Fonds in der Vergangenheit geschwankt hat. Klasse 1 steht für sehr geringe Schwankungen, Klasse 7 für sehr hohe. Ein MSCI World ETF liegt typischerweise in Klasse 4, ein FTSE All-World in Klasse 4 oder 5. Im Altersvorsorgedepot sind die Klassen 1 bis 5 erlaubt.
So viel kannst du in das Altersvorsorgedepot einzahlen
Drei Zahlen sind relevant, um die Mechanismen des Altersvorsorgedepot als eigenes Depot zu verstehen:
120 Euro im Jahr ist der Mindestbeitrag, also 10 Euro im Monat. So wenig brauchst du, um überhaupt Anspruch auf die staatliche Förderung zu haben.
1.800 Euro im Jahr ist die Grenze, bis zu der deine Einzahlungen staatlich gefördert werden. Alles, was du darüber hinaus einzahlst, bekommt keine zusätzliche Zulage mehr.
6.840 Euro im Jahr ist das absolute Maximum pro Vertrag. Und es kann sich lohnen, diesen Betrag voll auszuschöpfen, auch wenn du für den Teil über 1.800 Euro keine Zulage bekommst. Denn das gesamte Geld im Altersvorsorgedepot ist während der Ansparphase vor der Abgeltungssteuer geschützt. Du zahlst also weder Steuern auf Gewinne beim Umschichten, noch die Vorabpauschale, auch keine Steuern auf Dividenden.
Läuft der Vertrag mindestens zwölf Jahre und du hebst das Geld frühestens mit 62 ab, zahlst du beim Auszahlen sogar nur auf die Hälfte der Gewinne Steuern! Das nennt sich Halbeinkünfteverfahren.
Du darfst übrigens sogar zwei Altersvorsorgedepot-Verträge gleichzeitig haben, also insgesamt bis zu 13.680 Euro pro Jahr einzahlen. Die staatliche Förderung bleibt aber trotzdem auf 1.800 Euro begrenzt, egal ob du einen oder zwei Verträge besparst.
Meine Träume sind wahr geworden: keine Steuern in der Ansparphase, staatliche Zulagen und Steuern nur auf die Hälfte der Gewinne in der Auszahlungsphase… so macht Börse Spaß!
Das Standarddepot ist das Faulpelzer-Altersvorsorgedepot
Wenn du die Wertpapierauswahl nicht selbst treffen möchtest, kannst du das Standarddepot wählen. Jeder Anbieter ist verpflichtet, eines anzubieten. Es besteht aus zwei vorausgewählten Fonds: einem risikoarmen in Risikoklasse 1 oder 2 (also ein Anleihe-ETF) und einem chancenorientierteren in Risikoklasse 3 bis 5 (also ein Aktien-ETF). Die Aufteilung nimmt zunächst der Anbieter vor, du kannst sie aber jederzeit anpassen.
Die Effektivkosten sind auf maximal 1 Prozent pro Jahr gedeckelt. Verglichen mit alten Riester-Versicherungen ist das eine echte Verbesserung. Verglichen mit einem selbst zusammengestellten ETF-Depot, das dich nur um die 0,2 Prozent im Jahr kostet, ist 1 Prozent aber noch deutlich teurer.
Deshalb ist meine Empfehlung:
Verzichte auf das Standarddepot. Stelle die ETF in deinem Altersvorsorgedepot lieber selbst zusammen.

Börsenrendite ist noch nicht alles: die staatliche Zulage
„Wie viel gibt der Staat eigentlich dazu?“ Die Antwort macht so richtig Freude.
Die neue Förderung ist so großzügig wie noch nie
Für jeden Euro, den du einzahlst, gibt dir der Staat 50 Cent dazu. Das gilt für deine ersten 360 Euro im Jahr. Für jeden weiteren Euro bis maximal 1.800 Euro bekommst du noch 25 Cent Zulage. Die maximale Grundzulage beträgt damit 540 Euro pro Jahr.
Den Mindestbeitrag, um überhaupt Förderung zu bekommen, liegt bei 120 Euro im Jahr, also 10 Euro im Monat. Außerdem gibt es einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für alle, die vor dem 25. Geburtstag starten, und eine besonders hohe Förderquote für Geringverdiener.
Mit Kindern wird es sogar noch mehr: Pro Kind bekommst du zusätzlich einen Euro Zulage für jeden Euro, den du einzahlst, maximal 300 Euro pro Kind und Jahr. Du erreichst das Maximum schon mit 25 Euro im Monat. Jedoch ist immer nur ein Elternteil für die Zulage berechtigt.
Die steuerliche Förderung: So funktioniert die Günstigerprüfung
Neben den Zulagen gibt es einen zweiten Förderweg: den Sonderausgabenabzug über die Steuererklärung. Und das Gute daran: Du musst dich um nichts kümmern. Das Finanzamt führt die sogenannte Günstigerprüfung automatisch durch.
So funktioniert das in der Praxis: Du gibst in deiner Steuererklärung an, wie viel du eingezahlt hast, also deinen Eigenbeitrag plus die erhaltenen Zulagen. Das Finanzamt berechnet dann, wie viel Steuerersparnis dir durch den Sonderausgabenabzug zusteht, und vergleicht diesen Wert mit deinen Zulagen.
Ist die Steuerersparnis höher als die Zulagen, bekommst du die Differenz zusätzlich ausgezahlt. Sie fließt allerdings nicht ins Depot, sondern kommt als normale Steuererstattung zu dir. Für Gutverdienerinnen mit einem höheren Steuersatz kann das ein netter Extra-Bonus sein.
Bist du für das Altersvorsorgedepot als eigenes Depot berechtigt?
Grundsätzlich förderberechtigt sind alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Auch wer Pflege-Angehörige betreut, Arbeitslosengeld bezieht oder im Bundesfreiwilligendienst ist, gehört dazu.
Erstmals dabei: Selbstständige und Freiberufler
Das ist die Neuerung, über die ich mich ganz besonders freue. Bisher waren Selbstständige und Freiberufler, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, von der Riester-Förderung ausgeschlossen. Das ändert sich jetzt.
Gewerbetreibende und Freiberufler, also zum Beispiel Ärztinnen, Anwältinnen, Architektinnen, Beraterinnen oder Unternehmerinnen, sind künftig förderberechtigt, sofern sie eine Steuererklärung abgegeben haben.
Für viele selbstständige Frauen war die Altersvorsorge bisher ein blinder Fleck. Mit dem Altersvorsorgedepot bekommen auch sie jetzt ein eigenes Depot mit staatlicher Förderung.
Wer ist nicht berechtigt?
Freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte bekommen keine Förderung. Ebenso wenig Minijobberinnen, die sich auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht haben befreien lassen, und Menschen, die bereits eine volle Altersrente beziehen.
Schon überzeugt? Schau dir diese Zahl an!
Katja ist kinderlos, zahlt 40 Jahre lang 1.800 Euro im Jahr in ihr Altersvorsorgedepot ein. Bei einer Rendite von 6 Prozent und Kosten von 0,2 Prozent pro Jahr bekommt sie am Ende 269.000 Euro netto ausgezahlt.
Mit einem normalen ETF-Depot wären es 48.000 Euro weniger gewesen (bei 30% Grenzsteuersatz, 3,2% Basiszins für die Vorabpauschale, 6% Rendite, 0,2% Kosten).
22 Prozent mehr. Ohne mehr Risiko. Ohne mehr Aufwand. Einfach weil du das Altersvorsorgedepot als eigenes Depot eröffnet hast.
Lass dir das Altervorsorgedepot also keinesfalls entgehen!
Was du jetzt tun kannst
Das Altersvorsorgedepot startet erst 2027. Aber warten ist keine Strategie. Du kannst dir jetzt schon das nötige Wissen über Börse und ETF aufbauen! Mein ETF Kurs für Frauen stattet dich mit dem Wissen, der Motivation und dem Durchhaltevermögen aus, um an der Börse erfolgreich zu sein. Egal ob im Altersvorsorgedepot oder im eigenen Depot.
Hast du bereits einen Riester-Vertrag und fragst dich, ob du wechseln sollst? Die Kurzversion: Für die meisten lohnt es sich. Aber nicht für alle. Im Beitrag Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen schaue ich mir die Details an.
Und nicht vergessen: Auch dein Kind kann zulagenberechtigt sein! Prüfe dafür die Frühstart-Rente, bei der dein Kind monatlich 10 Euro vom Staat bekommen kann. Lies hier, warum sich die 10 Euro Frühstartrente für dein Kind lohnen!
FAQ
Ist das Altersvorsorgedepot ein eigenes Depot?
Ja. Das Altersvorsorgedepot ist ein eigenes, zertifiziertes Depot, das du neu eröffnen musst. Es ist kein normales Depot, aber du kannst es bei deinem bestehenden Broker eröffnen. Du kannst keine vorhandenen ETF-Anteile übertragen, sondern du zahlst frisch ein und investierst nach gesetzlichen Vorgaben.
In welche Wertpapiere darf ich im Altersvorsorgedepot investieren?
In deinem Altersvorsorgedepot kannst du marktbreite Aktien-ETFs wie den MSCI World oder den FTSE All-World kaufen, Anleihen oder Geldmarkt-ETF. Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte wie CFDs oder Optionsscheine.
Wie viel Zulage bekomme ich für mein Altersvorsorgedepot?
Für die ersten 360 Euro, die du in dein eigenes Altersvorsorgedepot einzahlst, bekommst du 50 Cent pro Euro vom Staat. Für weitere bis zu 1.800 Euro noch 25 Cent pro Euro. Die maximale Grundzulage beträgt 540 Euro pro Jahr. Hast du Kinder, kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind für jeweils ein Elternteil dazu.
Lohnt es sich, mehr als 1800 Euro in das Altersvorsorgedepot einzuzahlen?
Ja, durchaus. Du kannst bis zu 6.840 Euro pro Jahr in dein Altersvorsorgedepot als eigenes Depot einzahlen. Der Teil über 1.800 Euro bekommt zwar keine Zulage, profitiert aber trotzdem von der Steuerfreiheit in der Ansparphase.
Wie viele Steuern auf das Altersvorsorgedepot zahle ich in der Entnahmephase?
In der Entnahmephase musst du die Gewinne als Einkünfte versteuern. Läuft dein Vertrag aber mindestens zwölf Jahre, und du bist bei der Auszahlung schon 62 oder älter, gilt beim Auszahlen das Halbeinkünfteverfahren: Du zahlst dann nur auf die Hälfte der Gewinne Steuern.
Wer darf das Altersvorsorgedepot als eigenes Depot nutzen?
Grundsätzlich alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Auch auch Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler sind jetzt förderberechtigt, sofern sie eine Steuererklärung abgegeben haben.



